[1. Oktober - 5. Oktober 2014]
So. Alle lästigen Pflichten sind erfüllt und ich habe nun alle Zeit der Welt, um dieses vielfältige Land zu erkunden. Ich bin optimal vorbereitet, habe genug Geld in der Tasche sowie einen Haufen toller Ausrüstung und technischer Rafinessen. Jetzt kann's richtig losgehen!
Oder auch nicht. Wenn nämlich das alles plötzlich weg ist.
Hier nun der letzte Artikel zur Lagunenstadt. Ich hatte noch ein paar Schnappschüsse sowie ein Thema übrig, zu dem ich bisher noch nicht ausreichend schwadroniert habe.
Heute geht's um den Verkehr auf den Wasserstraßen Venedigs, der zwar nach eigenen Regeln funktioniert, aber dem Straßenverkehr auf festem Grund und Boden letzendlich gar nicht mal so unähnlich ist. Oder wie man so schön sagt: Es ist genauso, bloß anders.
Wenn man so komisch hin und her fährt, wird's ziemlich unübersichtlich...
[13. September - 23. September 2014]
Ende des Monats muss ich für ein paar Tage zurück nach Hause, um meine (unterwegs zu Ende geschriebene) Bachelorarbeit noch mündlich zu verteidigen. Ganz ohne Unterbrechung zu reisen, wäre mir zwar lieber gewesen, aber das wird zumindest die einzige bleiben.
Da ich von Venedig aus eine gute Anbindung mit dem Zug habe, fahre ich lieber erstmal noch nicht weiter nach Süden und nutze die verbleibende Zeit für einen Abstecher nach Slowenien... soll ja ganz nett sein dort drüben. Langer Post ist lang.
Zu jedem anständigen Abenteuer gehört eine schöne, große Höhle. Und von der Sorte gibt es im slowenischen Karst genug: Neben der stark touristisch genutzten Grotte von Postojna sind das vor Allem die Höhlen von Škocjan, in denen der unterirdische Fluss Reka eine riesige Schlucht gegraben hat. Ich hab mal vorbeigeschaut.
Nach rund einer Woche in Venedig war es auch mal an der Zeit, die nähere Umgebung der Stadt unter die Lupe zu nehmen. Es gibt nämlich noch eine ganze Reihe weitere Inseln in der Lagune, die man sich ruhig anschauen kann.
Also steht heute eine Rundtour mit 5 Zwischenstops auf dem Programm: Darunter ein Mini-Venedig, ein knallbuntes Fischerdorf und eine Friedhofsinsel.
Wer im Fernsehen schon mal auf ein Schachturnier gestoßen ist, weiß: Sonderlich spannend und unterhaltsam ist's für den Zuschauer in aller Regel nicht. Männer, die auf ein Spielbrett starren, ganz scharf nachdenken und sich einmal die Minute kurz bewegen...
Aber halt! Es geht auch anders. Hier in Marostica wird alle zwei Jahre Lebendschach veranstaltet: Statt einfachen Figuren stehen Leute in mittelalterlicher Gewandung auf dem Marktplatz mit seinem riesigen Schachbrettmuster und dürfen die Züge aufführen. Dazu gibt es Paraden und ganz viel Trara: Schach kann eben auch ein buntes Spektakel sein.
[07. bis 13. September 2014]
Venedig, die "Perle der Adria" mit ihren zauberhaften Kanälen wird
auch ganz gern mal liebevoll "Königin der Touristenfallen" genannt. Ist
ja auch nicht weiter verwunderlich: Die Stadt im Meer ist vollkommen
einzigartig und weltberühmt, jeder will sie sehen. Pro Jahr wird sie von
ganzen 30 Millionen Touristen heimgesucht, bei nicht einmal 60.000
Einwohnern. Der Platz ist also limitiert. Dementsprechend ist auch alles
reichlich teuer, es lohnt sich halt.
Aber wenn man seine
Ansprüche etwas runterschraubt und weiß, wo die Supermärkte sind, kommt
man eigentlich ganz gut über die Runden.
Schon mal von Acqua Alta gehört? Auch in der Lagune von Venedig gibt es Ebbe und Flut und manchmal ist der Gezeitenhub so groß, dass Teile der Stadt unter Wasser gesetzt werden. Acqua Alta bedeutet wörtlich "hohes Wasser" und kommt in der Regel im Winter vor, besonders bei Vollmond oder Neumond.
In geringerem Maße kann es aber auch schon im Herbst oder Anfang Frühling passieren. Einen dieser Fälle habe ich erwischt: An meinem dritten Tag in Venedig stand um die Mittagszeit herum der Markusplatz unter Wasser. Zeit für ein paar Fotos!
In der Lagune von Venedig liegt abgelegen eine Insel namens Poveglia, die schon so einiges hinter sich hat: Im 18. Jahrhundert wurden hier Pestopfer vergraben, ab 1922 gab es dann für ein paar Jahrzehnte ein Sanatorium für Geisteskranke. Seitdem es 1968 geschlossen wurde, verfällt das Gebäude und wird - wie auch der Rest der Insel - langsam aber sicher wieder von der Natur zurückerobert...
Jedes Jahr am ersten Septembersonntag findet in Venedig die regata storica statt. Sie gehört zu den größten jährlichen Ereignissen in der Stadt und steckt voller Tradition: Hier hat das Wort "Regatta" für Bootswettfahrten sogar seinen Ursprung.
Ein sonniger Tag Anfang September: In den Dörfern am Comer See ist gerade Miattgspause. Ab um 1 ruht die Arbeit hier erstmal für zwei Stunden. Man entspannt sich, sonnt sich in der warmen Sonne oder hält ein Nickerchen daheim. Alles kommt zur Ruhe.
Genau um diese Mittagszeit führt mein Weg durch Brienno, ein kleines Dorf mit kaum mehr als 400 Einwohnern, direkt am Ufer des Sees gelegen. Da der Ort sich an einen steilen Hang schmiegt und die Hauptstraße ihn mit einem Tunnel komplett umgeht, herrscht hier immer noch eine gemütliche vorindustrielle Atmosphäre. Ich lasse das Fahrrad stehen und erkunde das angenehm kühle Labyrinth aus verwinkelten, sonnengeschützten Gassen, in denen auch Tagsüber die Laternen leuchten. Nach nur wenigen Ecken ist man hier in einer eigenen, kleinen Welt...
Empfehle Vollbild. Weitwinkel verzerrt zwar, bringt die verschachtelte Architektur aber gut zur Geltung. Nachtrag (September 2015): Youtube hat das Video soeben stummgeschaltet, da ich es mit ein wenig entspannender japanischer Pianomusik unterlegt habe. Muss ich bei Gelegenheit mal durch eine Version austauschen, bei der man wenigstens die Schritte und das Rauschen der Wellen hört.
Oberhalb der Hauptstraße gab es noch viel mehr zu entdecken, den Rest gibt es in Bildern...
Mit der Übersichtlichkeit ist das so eine Sache...
Tag 20 bis 25 - Die Alpen vom Bodensee bis zur italienischen Grenze. Zumindest in der zweiten Hälfte diesmal mit weniger Text und mehr Diashow. Am Anfang habe ich noch ein Stück Österreich und Liechtenstein mitgenommen, das meiste war dann aber aber schweizer Territorium.
Schroffe Felsen, satte Almen mit Kühen und Glockengebimmel, große Seen und Gletscher... Die Schweiz ist schön. Aber wer sich etwas länger hier aufhalten will, sollte einen halbwegs gut gefüllten Geldbeutel mitbringen. Die schweizer Lebenshaltungskosten sind die wohl höchsten Europas, lediglich Norwegen erreicht ein ähnliches Niveau. Da konnte ich es mir nicht nehmen lassen, wie schon in der Tschechei mal ein paar Lebensmittelpreise aufzunehmen und mit daheim zu vergleichen.
Zeit für den ersten Zwergstaat in der Runde! Mit gerade einmal 160 km² Fläche ist das Fürstentum Liechtenstein ziemlich genau halb so groß wie meine Heimatstadt Dresden und auf einem normalen Globus kaum zu erkennen. Beim genaueren Hinsehen steckt da ein kleiner Schnipsel Land zwischen Österreich und Schweiz, aber was verbirgt sich eigentlich dahinter? Wie sieht es dort eigentlich aus, was unterscheidet das Land von seinen Nachbarn und ist dort überhaupt genug Platz? Nun ja, schaut's euch einfach mal an.
Tag 14 bis 20: Aus dem Schwabenland zurück nach Oberbayern und im Anschluss durch den Allgäu. Wieder einmal viel zu viele Fotos... Und überhaupt: Alter, ist der Post lang geworden. Dieser Abschnitt war irgendwie ganz besonders ereignisreich.